Aktienmarkt & Handelssysteme (Teil 1)

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Auch wenn ein Anleger sich mit dem Aktienmarkt intensiv beschäftigt, wird er mit dem Begriff „System of Systems“ (kurz: SOS) wohl wenig anfangen können. Und auch wenn man davon schon einmal gehört hat, erkennt man die Wichtigkeit vermutlich kaum. Doch wenn man am Aktienmarkt erfolgreich sein will, muss man sich auch mit der Zusammenstellung der Handelssysteme beschäftigen. Und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Der Aktienmarkt verhält sich nicht immer gleich

Weil wir an der Börse unterschiedliche Zyklen und Muster sehen, funktioniert eine einzelne Strategie keineswegs immer und ein Ausgleich ist (tut) gut. Das liegt an der Natur der Systeme und an der Funktionsweise der Märkte. Genau darum soll man niemals alles auf eine Karte setzen und mehrere Systeme handeln oder handeln lassen.

Leider muss man aber nun auch gleich sagen, dass das Thema Systemzusammenstellung (oder System of Systems – SOS) aus wissenschaftlicher Sicht doch etwas komplex ist. Wie funktioniert das nun in der Praxis und was bedeutet sinnvoll? Zunächst lässt sich sagen, dass der Handel von mehreren Strategien nur dann Sinn macht, wenn genügend Kapital vorhanden ist. Aufgrund der Börsenhandelsspesen kann man beispielsweise mit einem 10.000 Euro Konto nicht 3 oder mehr verschiedene Strategien gleichzeitig auf einem Aktienkonto handeln. Vielmehr muss man in diesem Fall mit einer Strategie auskommen. Unter dem Strich muss das nicht weniger Rendite bedeuten. Es wird nur etwas holpriger bei den Auf- und Abs, weil eine Strategie eben niemals so glatt läuft als wie wenn man 5 oder mehr verschiedene Strategien kombiniert.

Weiterhin müssen Sie darauf achten, dass sich die zum Einsatz kommenden Strategien voneinander deutlich unterscheiden. Als starke Korrelation bezeichnet man jede Datenserie, deren Korrelationskoeffizient den Wert 0.6 übersteigt. Mehr Infos zur Korrelation von Datenserien finden Sie in dem Buch „Das Trading Tagebuch“ von Thomas Vittner. Wir achten sehr genau auf die Korrelationen und verwenden interne Korrelationsmatrixen, die unserer Vermögensverwaltung dabei helfen, die Systeme optimal zusammenzustellen und zu gewichten.

Aber wie soll der Privatanleger an den Märkte vorgehen, wenn er dieses Finanzmathematische Wissen nicht besitzt? Es ist zunächst sicher kein Fehler, wenn man einen Teil seiner Anlagen langfristig am Aktienmarkt anlegt und mit einem anderen Teil kurzfristig orientiert tradet. Schon alleine diese Maßnahme schafft eine gewisse Diversifikation. Aber bei einem SOS geht noch um weitaus mehr.

Der Aktienmarkt und der kurzfristige Handel (Trading)

Auch hier ist es bestimmt eine gute Idee, wenn man auf verschiedenen Märkten handelt oder unterschiedliche Asset Klassen wählt. Warum nicht in Futures traden und zeitgleich auch in Aktien? Natürlich muss man sich dann – zumindest in den Grundlagen – mit diesen Märkten auch beschäftigen. Wie funktionieren sie, welche Assets kann ich handeln, was bewegt diese Märkte und vieles mehr.

Die Strategien selbst sollten des weiteren verschieden ausgerichtet sein. Wie in dem Buch „Die Essays zum Trading Tagebuch – Teil 1: Entrys“ beschrieben, unterscheiden wir, egal welchen Markt wir traden, zwischen Market-, Limit- oder Stopp Entrys. Daran geknüpft sind auch die jeweiligen Basisstrategien mit ihren Ausrichtungen. Wir differenzieren daher zwischen Market Systemen, Stopp Systemen oder Limit Systemen. In der Natur dieser Entry Arten liegt, dass manche davon nur Pro Zyklische Einstiege kennen (Stopp), manche nur Anti Zyklische Einstiege (Limit). Market Entrys können sowohl als auch sein.

Der Aktienmarkt und die Grundausrichtung der Trading Strategien

Pro zyklisch wären Trendfolger oder Break Outs, anti-zyklisch sind Reversionssysteme aller Art. Die Erfahrung vieler Jahre (und Backtests) zeigt, dass in den Aktien Märkten antizyklische Ansätze besser funktionieren, während zum Beispiel beim Devisenhandel das Gegenteil der Fall ist. Aber auch im Trading ist eine Spezialisierung keine schlechte Idee. 

Für ein Trading SOS auf Aktien und für den Aktienmarkt heißt das nun folgendes: es ist durchaus klug, zunächst ein paar gute Reversionssysteme zu entwickeln und diese parallel zu traden. Oder auf moomoc zu abonnieren. Aber Achtung auf die Korrelationen, was oben ja schon angedeutet wurde. Es bringt nichts, wenn Sie 8 mehr oder weniger ähnliche Reversionssysteme zu einem SOS zusammenfassen. Denn im Prinzip machen diese Systeme alle das gleiche. Sie kaufen, wenn die Notierung in den letzten Tagen (oder anderer Zeiteinheit) gefallen ist. Es hilft auch nicht, wenn sie jedem System ein anderes Portfolio zuweisen, denn auch die Aktien selbst korrelieren stark miteinander. Und bevor erfahrene Trader auf die Idee kommen: auch eine unterschiedliche EOD Haltedauer reduziert die Korrelation nicht wesentlich. Denn naturgemäß funktionieren Reversionssysteme mit einer Haltedauer von knapp einer Woche (+/-) am besten.

In Teil 2, der sich an den fortgeschrittenen Anleger (Trader) richtet, sprechen wir darüber, warum kurze Haltedauern bei Reversionssystemen sinnvoll sind und wie sich unterschiedliche Systeme am Aktienmarkt behaupten.

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