Hedging – Teil 2 über den Stoploss

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Hedging hat nicht ausschließlich mit dem klassischen Trading zu tun. Vielmehr geht es dabei um die Absicherung diverser Risiken von Unternehmen, um Planungssicherheit, zum Beispiel in der Rohstoff-intensiven Industrie, um Treibstoff-Hedging bei Fluggesellschaften oder eben auch um Absicherung des Wechselkursrisikos beim Kauf von Wertpapieren in einer anderen Währung.

Hedging an der Börse

An der Börse bedeutet Hedging, stark vereinfacht ausgedrückt, dass ich mich – meist auf der Short Seite – absichere. Ich handle zum Beispiel Aktien vermehrt oder ausschließlich auf der Long Seite, shorte aber gleichzeitig den Gesamtmarkt (zum Beispiel S&P 500) mit einem Future. Ob man dabei einen statischen oder einen intelligenten Hedge verwendet, muss quantifiziert (backgetestet) werden.

Man kann – auch das sei erwähnt – mit ETFs auf den Gesamtmarkt auf die Short Seite spekulieren, doch ich denke, dass ein Future diesen Zweck besser erfüllt, weil ich damit weniger Kapital binde (das mir dann bei den eigentlichen Trades fehlt). In meinem Buch „Das Trading Tagebuch“ schrieb ich dazu

Vorteile des Hedging mit Futures

Ein weiterer Vorteil beim Kauf von Futures ist, dass man nicht den ganzen Betrag »bezahlt«, sondern nur eine Margin hinterlegt, die relativ gering ist. Es kommt hier ein Wert von ca. 1 bis 3 Prozent zur Anwendung, ja nach Volatilität, was also sehr wenig ist. Am Settlement-Tag wird das Cash abgerechnet (Cash-Settlement).

Verwenden Sie zur Absicherung einen short ETF, müssen Sie die Position hingegen voll hinterlegen oder bezahlen.

Wie stark soll man sich hedgen?

Ob, wie und wie stark man hedgt – darüber scheiden sich die Geister. Eines ist klar: Hedging kostet Sie Performance. Immer. Daher kann man erst dann hedgen, wenn man Performance hat. Wenn ich die Short Seite mit einem Future hedge, dann geht es ja nicht darum, diesen Hedge zu verwenden, um Performance zu generieren. Dafür habe ich meine Trading Modelle. Der Hedge soll mich vor (starken) Kurseinbrüchen schützen. Und zum Glück crashen die Märkte selten, was den Hedge daher in den meisten Marktphasen zu einem Verlierer macht (der Geld kostet). Aber in diesem Fall ist das gewollt.

Aber halt – habe ich nicht auf etwas vergessen? Auf die Short Seite meiner eigentlichen Handelsmodelle? Also auf Short Trades? Kann ich auf das Hedging mittels Future nicht verzichten, wenn ich Short Trades im Depot habe? Dazu muss ich etwas ausholen und zunächst über die Aktienmärkte und die Long Seite sprechen. Auch die nachfolgenden Absätze sind aus dem Buch „Das Trading Tagebuch“.

Wenn Sie sich eine Zeitlang mit Handelsmodellen für Aktienmärkte beschäftigen, werden Sie schnell bemerken, dass es gar nicht so schwierig ist, simple Regeln zu finden, die auf der Long-Seite funktionieren. Auf der Short-Seite ist es hingegen immer eine Herausforderung, gute Ansätze zu finden. Warum ist das so?

Weil – ganz vereinfach ausgedrückt – Aktienmärkte die Tendenz haben zu steigen. Und weil jeder will, dass diese Märkte steigen. Oder haben Sie schon mal jemanden klagen hören, weil der S&P 500 an einem Tag um 2 Prozent gestiegen ist? (Außer vielleicht einen Trader, der short war…)

Zumindest gilt diese Long-Tendenz für die entwickelten Märkte der letzten Jahrzehnte. Und vor allem gilt das für die US-Aktienmärkte. Weil das so ist, ist es immer relativ einfach, gute Long-Systeme zu entwickeln. Natürlich müssen die Modelle aber auch short gehen. Schon alleine, um den Drawdown zu reduzieren, doch die Long-Seite ist so gut wie immer profitabler. Übrigens ein Faktum, das das Trading von Aktien im Vergleich zu anderen Märkten einfacher macht.

Was heißt das nun für unser Hedging?

Wenn ich ein System trade, das bei Aktien long und short geht, fehlt unter Umständen das Hedging und der gewünschte Effekt bleibt aus. Denn wenn Sie zehn Mal long sind und ein Ereignis tritt ein, das die Märkte kollabieren lässt, und Sie haben keinen Short-Trade (warum auch immer, weil Sie kein Geld mehr dafür hatten, weil es keine Signale gab etc.), dann nützt es Ihnen nichts, dass das Modell auch short gehen würde. Sie profitieren vom Kursrückgang nicht.

Was uns wieder zu der Aussage zurückkommen lässt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, sein Risiko zu kontrollieren.

1. Position Sizing (eingeschränkt)
2. Hedging (genau genommen gibt es hier wieder zwei Optionen – dazu später vielleicht noch mehr)

Stopps hingegen mögen Performane bringen oder kosten. Eines sind sie keinesfalls: ein adäquates Riskmanagement. Ähnliches gilt für Short Einzel – Trades. Sie können Gewinne oder Verluste erzeugen. Aber auch sie sichern das Konto nicht vor Kurseinbrüchen ab.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag, der natürlich zu kurz ist, um das Thema in der Tiefe zu besprechen, sensibilisieren. Wiegen Sie sich nicht in falscher Sicherheit!

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