Stop Loss Order und das Problem der Kurslücken

Order

Eine Stop Loss Order kann uns als Trader in falscher Sicherheit wiegen. Stopps sind nämlich keinesfalls die garantierte Kursmarke, an der wir aus einem Trade aussteigen. Gerade bei den Aktien Märkten wird das offensichtlich, da diese Märkte über Nacht und über das Wochenende geschlossen haben.

Durch diese geschlossenen Märkte entstehen Lücken im Chart, sogenannte Gaps. Und diese Kurslücken sind für unseren Stop natürlich kontraproduktiv.

Eine der Ursachen für große Kurslücken, die den Stop dann gerne zur Makulatur machen sind die Quartals- und Jahresberichte (englisch „Earnings“) von Unternehmen und diesem Thema wollen wir uns in Folge annehmen.

Der Stopp und die Lücke...

Wie das Wort Quartalsbericht bereits verrät, handelt es sich hier um ein Ereignis, das alle 3 Monate auftritt.

Dabei werden Gewinne, Umsätze und viele andere interessante Firmendaten der Öffentlichkeit präsentiert und ein Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung gegeben.

Und dabei grüßt alle 3 Monate das sprichwörtliche Murmeltier. Die Dinge und der ganze Ablauf, den man auch als Zirkus bezeichnen kann, wiederholen sich nämlich.

Zuerst, schon einige Tage oder Wochen vor dem Bericht, beginnen Analysten ihre Prognosen für das Unternehmen XYZ zu veröffentlichen. Wie meist gibt es unterschiedliche Ansichten, wie gut oder schlecht die Zahlen ausfallen werden. 

Ein Konsens ist so gut wie nie abzusehen, was logisch ist, denn sonst käme der Börsenhandel praktisch zum Erliegen. Wenn alle der gleichen Meinung sind, gäbe es keine Käufer und Verkäufer an den Märkten und so ist man eben oft geteilter Ansicht.

Die Kurse reagieren auf diese Prognosen, in dem man sich irgendwo bei einem Konsens einpendelt. Selbstverständlich gibt es täglich tausende Gründe, warum Aktien schwanken, auch wenn die Medien uns oft den einen Grund nennen, warum die Märkte heute gestiegen oder gefallen sind.

 Hinsichtlich der Quartalsberichte bedeutet das nun, dass der Markt eine gewissen durchschnittliche Erwartung hat, welche Zahlen verlautbart werden. Und wenn das Unternehmen diese Zahlen verfehlt oder übertrifft, kann das zu extremen Schwankungen der Kurse führen.

Bezüglich unseres Stop ist das in mehrerer Hinsicht relevant. Zum einen sorgt aufgrund der gestiegenen Volatilität die Gefahr der Slippage dramatisch an. Auch hier gilt: je größer das durchschnittliche Handelsvolumen, desto geringer die Slippage. 

Aber selbst bei den größten Unternehmen weltweit wie Apple oder Microsoft kann es zu einer unsauberen Kursausführung kommen. Das Problem der Gaps ist damit aber noch nicht erklärt, denn es hat meist eine andere Ursache.

Traditionell werden Quartalsberichte vor oder nach Börseneröffnung veröffentlicht. Das hat vermutlich den Grund, dass die Unternehmen damit erreichen möchten, dass die Analysten Zeit haben, sich mit dem Zahlenmaterial in Ruhe zu beschäftigen und nicht von geöffneten Märkten und schwankenden Kursen abgelenkt werden.

Kursschwankungen

Gerade nachbörslich werden die meisten Quartalsberichte veröffentlicht. Man kann dieses Ritual sehr schön verfolgen, wenn man ab ca. 22:00 Uhr vor dem Rechner sitzt. Wenige Minuten nach dem Close (Börsenschluss) kommen die ersten Zahlen über den Ticker. 

Zunächst sind es meist Daten wie „Earning per Share“ (Gewinn je Aktie), Revenues (Umsatz), Net Profit (Netto – Gewinn). Und schon kommt es zu ersten Ausschlägen der Kurse. Sofort danach werden aber von den Medien die durchschnittlichen Erwartungen der Analysen dagegen gestellt.

 Dann heißt es manchmal „Microsoft beats estimates…“ (Microsoft schlägt die Analysten Schätzungen) oder „McDonalds misses on Profit“ (Mc Donalds verfehlt die Gewinn Schätzungen) und so weiter und so fort.

Das führt erneut zu starken Ausschlägen in den „Extendet Trading Times“, die eine Art außerbörsliche Handelszeit darstellen. Und dann irgendwann, nachdem es zu starken Schwankungen gekommen ist, stehen die Kurse wirklich still, um jedoch in den Köpfen der Professionals (die institutionellen Marktteilnehmer) weiterzulaufen. 

Bis schließlich am nächsten Tag die ersten „Pre Market Kurse“ über den Ticker kommen (vorbörslicher Handel). Bis dann schließlich zum Start des offiziellen Börsenhandels das Gap (die Kurslücke) perfekt ist. Und unser Stopp?

Der ist natürlich Makulatur. Der Stop wurde übersprungen. Und wenn wir uns nun in Erinnerung rufen, das ein Stopp eine Verkaufs Order auslöst, die wiederum „bestens“ ausgeführt wird, kann man 1+1 leicht zusammenzählen. 

Und um noch einen draufzusetzen: nicht nur mein Stopp wird übersprungen sondern viele andere auch. Damit kommt es zusätzlich zur Lücke zu einem Orderstau

Bis meine Stop Order an der Reihe ist, ausgeführt zu werden, kann es dauern. Viele wollen aus ihren Trades raus und das „first come, first serve“ Prinzip hat auch hier seine Gültigkeit.

Der hohe Abgabedruck und das in so einer Situation vermutlich geringere Kauf Interesse tun ihr übriges, um einen schlechten Orderausführungspreis zu bekommen. 

Doch der Schlamassel hätte verhindert werden können. Das Gap ist realisiert, der Stop gerissen und die Verluste sind horrend. Wie man das hätte verhindern können, sehen wir uns nun an.

Slippage

Kein Trading über Quartalsberichte

Aus diesen Gründen sollte der Trader, der nur wenige Tage positioniert ist, auf Quartalsberichte achten. Weil – egal ob und welche Stopps man verwendet – diese Berichte die Kursmuster, die wir traden, kaputt macht. 

Den Vorteil, den ich mir mühsam mit einem guten Entry erarbeitet habe, der ist mit so einem Bericht natürlich weg. Trader handeln Effekte. Muster. Übertreibungen. Anomalien.

Aber diese Übertreibungen müssen kurz vor dem Entry stattfinden und den Trade rechtfertigen und damit auslösen. Sie dürfen den Trader nicht überraschen, während er positioniert ist.

Daher tut ein Trader gut daran, keine offenen Positionen über Quartalsberichte zu halten. Oder noch besser. Ein Trader sollte einen Trade gar nicht starten, wenn im Rahmen der geplanten Behaltedauer ein solches Ereignis ansteht. 

Und um diese Quartalsbericht Daten zu filtern, gibt es mehrere Möglichkeiten

Suche auf der Unternehmens-Homepage

Alle großen AGs (Blue Chips) haben einen online Investor Relations Bereich. Dort findet man alle Informationen, die für Aktionäre interessant sind. 

Unter anderem sind das alte Berichte (Jahres- und Quartalsberichte zum Download) sowie relevante Unternehmenstermine. Hier findet man auch mit Sicherheit das Datum der Veröffentlichung des nächsten Quartalsberichtes.

Finanzportale

Online suche auf Finanzseiten

Auf Finanzportalen wie Onvista, finanzen.net oder Yahoo findet man ebenso Quartalsberichte – Datenbanken. 

Oder auf earnings.com, wenn man Schwerpunktmäßig in den USA tradet.

Suche in Aktien Screenern

Die beste und einfachste Möglichkeit sind kostenfreie Aktien-Screener wie beispielsweise finviz, wo man sogar eine eigene Selektion für „Earnings Date“ (also Datum Quartalsbericht) findet.

Fazit Stoppsetzung und Risikomanagement

Ein Stop ist kein Risikomanagement

All das bisher gesagte zeigt eindrucksvoll, dass ein Stop Loss kein Risikomanagement ist.

Besonders deutlich wird das im Zusammenhang mit dem Stopp Loss und den Quartalsberichten. Denn wegen einem Quartalsbericht kann ein Stop einfach übersprungen werden, was oft zu horrenden Verlusten führt. Dabei wäre so etwas leicht vermeidbar, wenn man als Trader seine Hausaufgaben macht und keinen Trade über einen Quartalsbericht hält.

Sicher können Gaps immer auftreten. Auch aus dem Nichts. Wenn eine Gewinnwarnung unerwartet veröffentlicht wird oder wenn ein Analyst eine Aktie herauf- oder herabstuft. Natürlich gibt es keinen 100%igen Schutz vor Gaps. 

Aber man kann das Risiko doch deutlich reduzieren, wenn man zumindest auf diese Unternehmensberichte achtet. Aber natürlich muss ein erfolgreicher Trader noch viel mehr Wissen. Dieses Know-how bieten wir ihnen in Form unseres kostenlosen Basis Trading Kurses für Einsteiger. Sie können sich hier gleich anmelden und an der Börse durchstarten.

 

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