Warum es mehr als ein Kurs Gewinn Verhältnis – KGV – gibt und welches Sinn macht

KGV erklärt: Warum es nicht das eine KGV gibt | Aktienbewertung

Warum es nicht das eine KGV gibt und warum Genauigkeit bei der Aktienbewertung entscheidend ist

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zählt zu den bekanntesten Kennzahlen der Aktienanalyse. Kaum eine Kennzahl wird so häufig verwendet – und gleichzeitig so häufig missverstanden.

Viele Anleger sprechen vom KGV, als wäre es eine einzige, eindeutig definierte Zahl. Genau hier liegt das Problem. In der Praxis gibt es nicht das eine KGV. Es existieren zahlreiche Varianten, die zwar alle korrekt sein können, aber völlig unterschiedliche Dinge messen.

Dieser Artikel zeigt dir:

  • welche Arten von KGVs es gibt
  • warum dieselbe Aktie gleichzeitig günstig und teuer wirken kann
  • welche typischen Fehler Anleger machen
  • wie Profis mit dem KGV umgehen
  • und ob das KGV überhaupt geeignet ist, um Überrenditen zu erzielen

KGV Erklärung Übersicht

Was ist das KGV überhaupt?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.

Formel:
KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Ein KGV von 20 bedeutet vereinfacht, dass Investoren bereit sind, das 20-fache des Jahresgewinns für diese Aktie zu bezahlen.

Die entscheidende Frage lautet jedoch:

Welcher Gewinn wird hier eigentlich verwendet?

Warum es nicht „das eine KGV“ gibt

Unternehmensgewinne sind keine festen Größen. Sie schwanken von Quartal zu Quartal und können durch Einmaleffekte stark verzerrt sein. Genau deshalb existieren unterschiedliche KGV-Varianten.

Die wichtigsten KGV-Arten im Überblick

KGV-Art Gewinnbasis Aussage
Trailing KGV Vergangene Gewinne (TTM) Rückblickende Bewertung
Forward KGV Erwartete Gewinne Zukunftsorientierte Bewertung
Bereinigtes KGV Gewinne ohne Sondereffekte Operative Ertragskraft
Historisches KGV Vergleich zur eigenen Historie Relative Bewertung
Branchen-KGV Vergleich mit Wettbewerbern Markteinordnung

KGV Vergleich Tabelle

Trailing KGV – der Blick in den Rückspiegel

Das Trailing KGV basiert auf den Gewinnen der letzten zwölf Monate. Es ist objektiv messbar, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Es blickt ausschließlich in die Vergangenheit.

  • keine Aussage über zukünftiges Wachstum
  • anfällig für Sondereffekte
  • verzerrt bei zyklischen Unternehmen

Ein Unternehmen kann nach einem außergewöhnlich guten Jahr extrem günstig wirken, obwohl diese Gewinne nicht nachhaltig sind.

Forward KGV – Bewertung auf Basis von Erwartungen

Das Forward KGV nutzt geschätzte zukünftige Gewinne. Es ist besonders bei Wachstumsunternehmen beliebt.

Vorteile:

  • zukunftsorientiert
  • besser geeignet für Wachstumsphasen
  • näher an der Marktbewertung

Nachteile:

  • abhängig von Prognosen
  • anfällig für Optimismus
  • hohe Fehleranfälligkeit

KGV mit oder ohne Sondereffekte

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Frage, ob der Gewinn Sondereffekte enthält:

  • Verkäufe von Unternehmensteilen
  • Abschreibungen
  • Rechtsstreitigkeiten
  • Steuereffekte

Ein bereinigtes KGV versucht, diese Effekte herauszurechnen und die operative Ertragskraft abzubilden.

KGV im historischen Vergleich

Ein KGV entfaltet seine Aussagekraft erst im Vergleich mit der eigenen Unternehmenshistorie.

  • Wie hoch war das durchschnittliche KGV der letzten 5 oder 10 Jahre?
  • In welchen Phasen war die Aktie günstig oder teuer?

Historisches KGV Diagramm

KGV im Branchenvergleich

Ein Softwareunternehmen mit einem KGV von 30 kann günstig sein, während ein Versorger mit demselben KGV extrem teuer wäre.

Grund dafür sind:

  • unterschiedliche Wachstumsraten
  • unterschiedliche Margen
  • unterschiedliche Kapitalintensität

KGV und hohe Forschungsausgaben

Bei forschungsintensiven Unternehmen stößt das KGV an seine Grenzen. Hohe F&E-Ausgaben drücken kurzfristig den Gewinn, schaffen aber langfristigen Wert.

Solche Unternehmen wirken auf KGV-Basis oft teuer, obwohl sie strukturell attraktiv sind.

Typische Fehler beim Umgang mit dem KGV

  • ein einzelnes KGV isoliert betrachten
  • nicht wissen, welches KGV angezeigt wird
  • unterschiedliche KGVs unbewusst vergleichen
  • Bewertung mit Qualität verwechseln

Profis stellen immer zuerst die Frage:

Welches KGV ist das eigentlich?

Merksatz für Anleger

Es gibt nicht das KGV – es gibt nur klar definierte Bewertungskennzahlen.

Wer ungenau misst, investiert ungenau.

Präzision ist kein Detail.
Präzision ist der Unterschied zwischen Analyse und Rätselraten.

Taugt das KGV zur Auswahl guter Aktien?

Die ehrliche Antwort:

  • Allein: Nein
  • Im Kontext: Ja, als Baustein

Das KGV ist kein Orakel, sondern ein Werkzeug. Richtig eingesetzt hilft es bei der Einordnung. Falsch verwendet führt es zu Fehlentscheidungen.

Eine fundierte Aktienanalyse kombiniert:

  • Bewertung
  • Wachstum
  • Qualität
  • Kapitalrenditen
  • Risiken


Das KGV ist dabei nur ein Teil des Gesamtbildes – nicht die ganze Wahrheit. Wenn du mehr solcher Inhalte haben willst dann trage dich in unseren kostenlosen Aktien Newsletter ein.

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