Was sind Leerverkäufe? 4 Regeln für Trader und Investoren

Finanzkrise & Coronavirus

Gerade in Zeiten, in denen die Kurse an der Aktien Börse stark fallen, wie das zum Beispiel im ersten Quartal 2020 der Fall gewesen ist, denkt der eine oder andere vielleicht darüber nach, ob man nicht auch mit Kursrückgängen auf direktem Weg Geld verdienen kann.

Ja – das ist möglich. Worauf es hier zu achten gilt, das besprechen wir im folgenden Beitrag, wobei eine Frage im Mittelpunkt aller Überlegungen steht: Was ist ein Leerverkauf?

Was sind Aktien Leer-Verkäufe?

Üblicher Weise will man Aktien erwerben und dann Geld damit verdienen, wenn die Kurse steigen. Man kauft und hält also Anteile (Aktien) an Börsennotierten Unternehmen und wartet darauf, dass das Unternehmen blüht und gedeiht und damit an Wert gewinnt.

Aktien Kurs

Die Wertsteigerung wird von der Börse üblicherweise damit honoriert, dass auch der Aktienkurs des Unternehmens steigt. Aber das muss nicht immer so sein, wie uns der nachfolgende Exkurs verrät.

Gute Aktien können auch fallen - Exkurs

Normalerweise – denn das trifft nur dann auch wirklich zu, wenn die Rahmenbedingungen positiv sind. Sind die wirtschaftlichen Aussichten generell schlecht oder trüben sie sich ein, werden Aktien weltweit abverkauft. Und so kann es passieren, dass auch gute Unternehmen in schlechten Zeiten an Kurswert einbüßen. Auch dann, wenn sie nicht oder kaum durch die allgemein schrumpfende Wirtschaft leiden.

Die Börsengroßwetterlage entscheidet über die Kurse

In jeder Krise gibt es also Aktiengesellschaften, deren Kurs zu unrecht nach unten geprügelt wurde und in solchen Phasen kann man mit fallenden Kursen Geld verdienen. Dazu später mehr.

Abwärtstrend Stufenförmig
Steigende Kurse

Warum ein Unternehmen von steigenden Kursen profitiert

Natürlich möchte ein Unternehmen und da genauer gesagt die Unternehmensleitung, dass der Kurs des eigenen Unternehmens steigt. Je höher ein Unternehmen bewertet ist, je höher der Kurs also steht, desto leichter fällt es ihm im Regelfall, neue Kredite zu bekommen oder mehr Aktien (Kapitalerhöhungen) durchzusetzen. Vor allem zu einem guten Preis.

Das Management hat ein Kursziel nur bedingt in der Hand

Doch das Management hat zwar die Entwicklung des eigenen Unternehmens in der Hand nicht jedoch die Entwicklung der Wirtschaft im Allgemeinen und schon gar nicht die Entwicklung der Börsenkurse. So kann ein Unternehmen zwar Aktien zurückkaufen, wenn es Bargeld Reserven hat, aber letztlich steigt und fällt eine Aktie – je nach Branche unterschiedlich – mit dem Gesamtmarkt.

Als Leerverkäufer Geld verdienen

Knüpfen wir weiter oben bei der Frage an, was sind Leerverkäufe an der Börse, und schauen wir uns an, wie man mit Leerverkäufen Geld verdienen kann. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob wir deshalb auf fallende Kurse spekulieren wollen, weil sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern oder weil wir denken, dass die Aktie des Unternehmens generell an der Börse zu teuer gehandelt wird.

Geld verdienen Leer-Verkauf

In beiden Fällen haben wir kein Interesse daran, die Aktie zu besitzen sondern wollen bloß Geld verdienen, wenn die Kurse fallen. Üblicherweise ist es dann so, dass man sich die Aktien von jemanden, der sie besitzt (und länger halten will) ausborgt. Wenn man sie geliehen bekommen hat, verkauft man sie an der Börse zum derzeitigen Kurs. Dann wartet man bis der Kurs fällt.

Ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man denkt, dass nun der wahre Wert erreicht wurde, kauft man die Aktie an der Börse wieder zurück. Und dann gibt man sie demjenigen wieder, der sie einem geborgt hat. Eigentlich einfach, oder? Doch die Tücke liegt im Detail und welche Fragen es hier noch zu beachten gilt, das schauen wir uns in Folge an. Zunächst fassen wir das bisher gesagte anhand einiger Fragen zusammen.

Brieftasche wird dicker

Wie funktioniert ein leer Verkauf?

Ein Marktteilnehmer verkauft Aktien, die er nicht im Depot hat. Er borgt sie sich von einem anderen Marktteilnehmer und verkauft sie. Später kauft er sie zu billigeren Kursen zurück. Die Differenz behält der Leerverkäufer. Für das Ausborgen zahlt man Zinsen, die man vom Gewinn noch abziehen muss.

Wie funktioniert eine Short Attacke?

Short Attacken sind nur ein anderer Begriff für Leerverkauf. Hier spekuliert man, dass die Kurse sinken. Um short zu gehen borgt man sich Aktien, die man nicht besitzt und verkauft sie. Später kauft man sie billiger zurück und kann Gewinn machen.

Was bedeutet Short Seller?

Short Selling ist der englische Begriff für Leerverkauf. Ein Short Seller ist ein Mensch oder eine Institution, die auf fallenden Kurse spekuliert. Grundsätzlich ist das nichts verwerfliches, denn Leerverkäufe können auch dazu dienen, das Risiko einer Anlage zu reduzieren.

Was ist eine Netto Leerverkaufsposition?

Für Institutionelle Leerverkäufer gilt seit November 2012 eine Meldepflicht. Werden Aktien im großen Stil geshortet, muss das den Finanzbehörden angezeigt werden. Diese Anzeigepflicht besteht auch dann, wenn der Leerverkauf beendet („Eindeckung“) wird.

Warum gibt es Leerverkäufe?

Leerverkäufe gibt es primär aus zwei Gründen. Erstens will man direkt an fallenden Kursen Geld verdienen. Zweitens nutzt man Leerverkäufe, um das Risiko einer Anlage zu reduzieren. Diese Risikoreduktion nennt man Hedging. Leerverkäufe sind also nichts schlechtes und gehören zum Börsenhandel einfach dazu.

Shortselling und Traden in der Praxis

Was sind Leerverkäufe von Aktien? Ausborgen und Zurückgeben. Wie soll das in der Praxis denn bitteschön funktionieren? Ich kenne ja niemanden, der mir die Aktien zum Traden borgt. Und muss ich selber bei Herrn Maier anrufen und ihn fragen, ob er mir seine Aktien borgt, damit ich sie verkaufen kann? Eher nein, aber es kommt darauf an.
Aktien Trading short

Bei den großen institutionellen Marktteilnehmern laufen tatsächlich solche Deals, persönlich oder über Telefon, wenn man Insidern glauben schenken darf. Denn dort werden größere Stückzahlen gehandelt, die oft an den Börsenplätzen nicht und vor allem nicht rasch zur Verfügung stehen. 

Schon beim Kauf von Aktien wandern große Aktienpakete von einer Hand in die andere und so verhält es sich auch beim Short Selling. Natürlich wissen nur Eingeweihte, wie es in der Praxis bei den „Großen“ wirklich zugeht und wie und vor allem wo solche Deals gemacht werden.

Leer-Verkauf für Privatanleger – geht das überhaupt?

Ist die Antwort auf die Frage, was sind Leerverkäufe bei Aktien, eine andere, wenn es um Privatanleger geht? Denn nicht nur große Institute wie Hedgefonds können solche Deals machen sondern auch Lieschen Müller. Dieser wird natürlich nicht bei der Bank seines Vertrauens mit dem dortigen CFO sprechen und ihn fragen, ob er 23 Stück von Microsoft für einen Aktien Leerverkauf zur Verfügung stellen kann.

Vielmehr nutzt man die Möglichkeit der Masse und hier bieten gute Broker heute guten Service und Pools, aus denen man solche Leerverkäufe tätigen kann. Menschen, die willig sind, ihre Aktien für Leerverkäufe zu verborgen, melden sich beim Broker für solche Programme an.

Massen Effekt für viele Benutzer

 

Der Leerverkäufer bedient sich aus dem Pool und schon kann auch Otto Normalverbraucher Aktien shorten.

Und solche Geschäfte laufen über den Mittelsmann immer anonym. Im ARD Rundfunk wird darüber natürlich nicht berichtet. Niemand weiß, wer „seine“ Aktien, die er herborgt, leer verkauft.

Sowohl der Vermittler (der Broker) als auch der Verleiher bekommen Provision und der Short Seller hat die Chance, an Kursverlusten zu verdienen. Er trägt als einziger aber auch das ganze Risiko, auch das sei hier erwähnt.

Einfach short gehen

Die Ausführung letztlich ist einfach. Der Leerverkäufer macht sich in seiner Handelsplattform (Metatrader, Nextmarkets, WH Selfinvest etc.) eine Watchlist von Aktien, beispielsweise aus dem Dax, klickt beim bevorzugten Wert auf „sell“ und schon hat er die Wertpapiere (CFD oder CFDs, Aktien oder andere Finanzinstrumente) leerverkauft. 

Auch am Terminmarkt (Futures etc.) oder bei Forex kann man short selling machen. So funktioniert Trading auf fallende Kurse in vielen Märkten. Doch damit man damit sein Depot nicht an die Wand fährt, braucht man schon einiges an Börsenwissen.

Eigentlich sollte diese Definition genügen, um das Prinzip der Leerverkäufe zu verstehen.

 Doch es sei noch der Vollständigkeit halber erwähnt, dass auch der Broker seine Netzwerke hat und immer versucht, genügend Aktien für das Short Selling zur Verfügung zu stellen. 

Auch hier helfen oftmals gute Kontakte und der vorhin angesprochen Pool dient dann doch wohl eher nur Privatanlegern, die natürlich ihre kleinen Aktien Bestände auch verborgen können und dürfen. Die „Großen“ nutzen dazu ihre eigenen Netzwerke und Kontakte (siehe oben).

Netzwerke Finanzdienstleister

Leerverkaufsverbot

Die Börsenaufsicht hat aus vergangenen Kurseinbrüchen und Krisen gelernt. Aus diesem Grund hat man zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen eingezogen, damit die Märkte im Falle eines Falles nicht ins bodenlose stürzen. 

Übrigens sei hier auch kurz erwähnt, dass ungedeckte Leerverkäufe ohnehin nicht mehr erlaubt sind.

Verbot
Eine dieser Maßnahmen sind temporäre Leerverkaufsverbote für gewisse Aktien oder ganze Branchen. Sie werden dann ausgesprochen, wenn eine Aktie oder ein Sektor sich außerhalb ihres dynamischen Preiskorridors aufhält. Vereinfacht ausgedrückt: wenn sie zu rasch zu schnell fällt.

Schwanken die Kurse zu lang und zu heftig, wird darüber hinaus eine Unterbrechung der Kursstellung angeordnet („fast market“) Zuletzt wurden die Kurse im März 2020 (genau am 16.3.2020) angehalten, weil es hier zu starken Kurseinbrüchen im Zusammenhang mit der Covid 19 Krise gekommen ist.

Die genauen Schwellwerte sowie die Zeiten, in denen der Handelsstopp anhält, sind von Börsenplatz zu Börsenplatz verschieden geregelt.

An den letzten Absätzen kann man gut erkennen, dass die Politik und damit der Gesetzgeber die Aktienmärkte stabilisieren will. Niemand außer den wenigen Leerverkäufern hat Interesse, dass die Börsenkurse fallen. Weder die Politik noch die Wirtschaft. Und das führt und zu einer wichtigen Grundaussage, was die Funktion aller Aktien Märkte betrifft.
Aktien haben einen Long Bias
Anstieg Kurse

Aktien tendieren also dazu, zu steigen. Aktien Strategien, die damit auf steigende Kurse abzielen, funktionieren somit immer besser als jene, die auf fallende Kurse spekulieren.

Die Kurse fallen zwar deutlich schneller als sie steigen. Aber zum Glück fallen die Kurse nur sehr selten häufig uns stark. So kann man zwar im Einzelfall mit einem Short Trade sehr rasch sehr viel Geld verdienen. Gesamt gesehen ist es aber viel lukrativer, auf steigende Notierungen zu setzen.

 

Und genau diese Aussage möchten wir im folgenden Video mit Fakten untermauern.

Orderarten für fallende Kurse

Aktien kaufen kann man anhand drei verschiedener Orderarten.
  • Market
  • Limit
  • Stopp

Während man mit einer Market Order „um jeden Preis“ kauft und der Order keinerlei Zusätze gibt, versucht man bei Limit Oders etwas billiger zu kaufen und den Preis zu limitieren.

Bei einer Stopp Order lässt man sich „einstoppen“ und will erst dann an Bord gehen, wenn der Kurs ein bestimmtes Niveau erreicht.

Gleiches Prinzip gilt auch bei Leerverkäufen. Nur muss man gedanklich nun alles auf den Kopf stellen. Wichtig an dieser Stelle ist bloß die Grundaussage, dass man bei Leerverkäufen mit den drei gleichen Orderarten arbeiten kann und alle drei Ihre Vor- und Nachteile haben.

Ist short gefährlich?

Leerverkäufe werden medial gerne als etwas sehr gefährliches dargestellt. Das hat zumindest dann seine Richtigkeit, wenn man sein Handwerk nicht versteht.

Denn es ist korrekt, dass der Kurs einer Aktie, egal wann man gekauft hat, maximal auf Null fallen kann und damit ein Verlust von 100% zu Buche steht.

Umgekehrt kann eine Aktie um mehrere hundert Prozent steigen und wenn man dann einen Leerverkauf gemacht hat, beträgt der Verlust eben mehr als 100%. So weit die Theorie und so weit so richtig.

Trading gefährlicch?
In der Praxis wird eine Aktie aber nur dann um mehrere hundert Prozent steigen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind oder eben nicht erfüllt sind. Die nachfolgende Liste gibt hier Auskünfte.
Technische Analyse
  • Nebenwerte (also sehr „kleine“ Aktien) können heftige Kurssprünge nach oben oder unten vollziehen. Auch innerhalb weniger Tage und/oder über Nacht.
  • Pennystocks (Aktien die unter 1 notieren) – hier gilt das, was auch bei den Nebenwerten gesagt wurde.
  • Volatile Zeiten: wenn die Märkte stark schwanken, können auch Blue Chips, also die großen Aktien (hohe Marktkapitalisierung) starke Kurssprünge (auch über Nacht) vollziehen

Bei all den aufgezählten Möglichkeiten gilt: machen Sie kein Short Selling. Zumindest nicht in Einzeltiteln. Es kann Sinn machen, den Gesamtmarkt zu shorten, wenn man in Einzeltitel long ist (das nennt man Hedging – absichern). Aber auch hier muss man wissen, was man tut.

Für das sogenannte Hedging verwendet man üblicherweise andere Produkte wie Aktien. Beispielsweise kommen hier Futures oder Optionen zur Anwendung.

Von einem Leerverkauf spricht man jedoch eigentlich nur dann, wenn man Aktien (oder ETFs) shortet, also auf fallende Notierungen setzt. Jede Spekulation auf fallende Kurse ist damit kein Leerverkauf, wenn man es genau nimmt.

Was ist Daytrading

Fazit von Leerverkäufen

Leerverkäufe sind keine Erscheinung der Neuzeit. Es gibt sie, solange es Börsen gibt. Und sinnvoll eingesetzt sind sie keineswegs etwas Schlechtes. Angebot und Nachfrage bewegen die Börsenkurse. Und ein Leerverkauf hilft dieses Gleichgewicht zu halten oder sicherzustellen.

In den falschen Händen jedoch können Leerverkäufe hohe Verluste bescheren. Hier kann man viele Fehler machen. Aber genau genommen gilt das auch für den Handel, der auf steigende Kurse abzielt. Gerade an der Boerse gibt es für Beginner keine Schonfrist. Das gilt für beide Handelsrichtungen long und short zugleich.

Noch mehr Infos über Leerverkäufe?

Lesen Sie jetzt unsere umfassende Reportage über das Thema Short Selling mit 4 Beispielen und zahlreichen Insiderinformationen. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Kurse bei einem Börsencrash nicht aufgrund von Leerverkäufen fallen?

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