Welche Aktien man jetzt kaufen soll!

Als Moderator einer Facebook Aktien Gruppe bin ich unter anderem dafür zuständig, die Umgangsformen in der Gruppe zu „überwachen“ und auch dafür, Beiträge der User nach Prüfung freizugeben. Dabei ist mir aufgefallen, dass es eigentlich immer die gleiche Art von Frage ist, die gestellt werden.  

1. Welche Aktie soll ich jetzt gerade kaufen?

2. Was haltet Ihr von der Aktie XYZ (beliebiges Unternehmen einsetzen).
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Ich möchte gleich vorweg schicken, dass diese Fragen nicht verkehrt sind, doch es gibt noch viele andere Dinge, die mindestens genau so wichtig sind und die komischer Weise nicht oder kaum hier gefragt werden. Wir gehen gleich drauf ein. Doch erlaubt mir vorher noch den Hinweis, dass diese Fragen einiges mehr über das Mindset von Beginnern verraten, was ich später aufklären werde. Und wenn man noch näher hinschaut, erkennt man, wonach die Menschen wirklich suchen, die solche Fragen stellen. Aber alles der Reihe nach…

Zunächst muss man sich in Erinnerung rufen, dass Aktien Unternehmensanteile sind. Wir kaufen als Aktionär somit einen Teil der dahinter liegenden Firma. Wir bekommen dadurch Rechte eingeräumt, zum Beispiel den Bezug von Dividenden. Natürlich nur dann, wenn das Unternehmen Dividenden ausschüttet. Ich denke du weißt, dass kein Unternehmen gezwungen ist, solche Ausschüttungen vorzunehmen. Das obliegt einzig dem Management.

Also geht es genau genommen um die Frage, an welchem Unternehmen man sich beteiligen soll. Natürlich gibt es gute und schlechte Unternehmen. Nicht nur an der Börse, denn nicht jede Firma ist eine AG. Unternehmen expandieren, stagnieren oder scheitern. Das ist das Leben. So funktioniert die Wirtschaft und der Kapitalmarkt ist ein Teil eines Wirtschaftssystems, das wir Kapitalismus nennen.

Wenn wir nun zur Frage zurückkommen, welche Aktien man kaufen soll, dann muss man bedenken, dass die Börse dem Hier und Jetzt immer um Monate voraus ist. Die Märkte interessiert vor allem die Zukunft. Ein Beispiel: wenn ein Unternehmen bei einem Quartalsbericht unerwartet Verluste bekannt gibt, aber gleichzeitig erwähnt, dass dieser Verlust aufgrund einmaliger Effekte entstanden sind und die Zukunft rosig aussieht, dann stehen die Chancen gut, dass der Aktienkurs steigt, obwohl man aktuell keine Gewinne macht. Verrückt – aber so funktioniert Börse.

Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Niemand kann neue Trends vorhersagen. Niemand kann wissen, welche Technologie morgen erfunden wird, die alte, eingesessene Branchen ins Wanken bringt. Noch ein Beispiel: Amazon, jahrelang ein Online Versandhändler, dringt in den letzten Jahren immer mehr in andere Segmente vor. Vor kurzem hat man bekannt gegeben, noch mehr im Einzelhandel aktiv zu werden und Supermärkte eröffnen zu wollen. Niemand wusste vorher von diesen Plänen – außer dem Management. Und was passierte? Die Kurse der anderen Einzelhändler waren darauf hin massiv gefallen. Warum? Weil ein neuer, mächtiger Kandidat auf der Bühne erscheint. Gerade aktuell will Amazon jetzt in den Gesundheitsmarkt hinein. Mit dem gleichen Effekt für die Unternehmen dieser Branche wie eben beschrieben…

Natürlich hängt die Frage, ob eine Aktie generell kaufenswert ist, auch mit der Qualität des Managements zusammen. Aber nicht nur. Der beste CEO kann nichts tun, wenn das Unternehmen in einem Geschäftszweig tätig ist, der einfach nicht mehr nützlich ist. Beispiel Kodak. Der Fotoriese, der sogar im Dow Jones gelistet war und damit zu den Top 30 US Aktien gehörte, hatte die digitale Entwicklung verschlafen. Ein Unternehmen mit mehreren Dekaden Geschichte machte Pleite.

Das kann man sicher noch als Fehler des Managements verbuchen. Aber ein anderes Beispiel: Singulus. Das Unternehmen war Top als Hersteller von CDs und DVDs. Zur Jahretausendwende notierte die Aktie bei über 6000 Euro pro Stück. Heute steht sie bei unter 10 Euro. Ich habe die Entwicklung bei Singulus nicht im Detail verfolgt, aber die Zeit hat das Unternehmen einfach überholt. Denn wer kauft heute noch CDs oder DVDs? Sicher tun das einige noch immer, aber ihr wisst, was ich meine. Das Management kann hier noch so gut sein, es hatte keine Chance, das Produkt weiterhin so häufig zu verkaufen wie früher. Die Zeit war abgelaufen.

Und da wir in einer immer schnelleren Zeit leben, denke ich, dass es – anders als vielleicht in den 50er oder 60er Jahren – wenig Sinn macht, Aktien ein Leben lang zu halten. Weil sich einfach zu viel ändern kann und wird. Weil keine Branche sicher sein kann, dass sie nicht vor herben Umwälzungen steht. Aber es gibt noch andere Hürden.

Die richtige Aktie zur falschen Zeit

Habt ihr schon einen Börsencrash live miterlebt? Ich schon. Genau genommen waren es zwei. Ich war bereits kurz nach der Jahrtausendwende an der Börse aktiv, als die Kurse einknickten und ich war mitten drin, als 2008 und 2009 die Finanzkrise die Welt erschütterte. Beim ersten Crash habe ich viel Geld verloren. Ich dachte nämlich, das ich klüger bin als alle anderen auf der Welt bin. Ich hatte auch nicht bedacht, welcher mentale Druck entsteht, wenn man Aktien in einer Baisse (also bei schlechtem Umfeld) kauft. Sicher heißt es, man soll kaufen, wenn die Kurse billig sind. Aber – versucht das mal durchzuhalten. Als Beginner werdet ihr euch sehr schwer tun. Schaut euch mein Video an, wo ich erzähle, wie es mir damals ergangen war. Es soll euch als Warnung aber auch als Motivation dienen.

Bitte bedenkt: nur weil der Kurs gefallen ist, ist eine Aktie nicht billig. Zumindest nicht zwangsläufig. Wenn es einer Firma schlecht geht und sie keine Gewinne mehr macht, sinkt der Aktienkurs. Wenn die Firma lange keine Gewinne macht, kann sie Pleite gehen und damit werden auch die Aktien der Firma wertlos. Es gibt aber Fälle, und darauf wollte ich vorhin mit dem Crahs hinaus, wo alle Aktien billig sind. Auch die von guten Unternehmen, die hohe Gewinne machen. Und genau in so einer Phase muss man sich mit Aktien eindecken.

Doch in so einem Marktumfeld ist die Stimmung äußerst negativ. Verfolgt man Finanznachrichten hat man das Gefühl, der Weltuntergang steht bevor. Alles fällt. Tag um Tag. Es ist pures Glück, wenn man das Kurstief erwischt. Viel wahrscheinlicher ist es, das man kauft und der Kurs weiter fällt. In einem negative Umfeld braucht man Nerven wie Drahtseile, um das durchzustehen. Ich hatte sie wie gesagt im ersten Crash nicht. Das habt ihr in meinem Video gesehen. Im zweiten schon, denn ich hatte dazu gelernt. 2009 konnte ich billigst einige Aktien einkaufen, die ich später mit hohen Gewinnen wieder verkaufen konnte.

Man kann also auch die richtigen Aktien zur falschen Zeit erwischen und darauf müsst ihr mental vorbereitet sein. Nehmt das nicht auf die leichte Schulter. Aber ehrlich gesagt: darauf kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Man weiß erst, wie man reagiert, wenn die Situation eintritt. Nicht umsonst heißt es, dass man sich an der Börse selbst erst so richtig kennenlernt. Das kann ich hiermit nur zu 100% bestätigen.

Die zweite Frage, die gerne in der AktienTipp Gruppe gestellt wird lautet:

Was haltet Ihr von der Aktie XYZ (beliebiges Unternehmen einsetzen).

Was geschieht hier? Was sucht der, der die Frage stellt? Einen Rat. Ja. Aber genau genommen sucht er Bestätigung und Sicherheit. Er will sich eben sicher sein, eine gute Entscheidung zu treffen und er will sich sicher sein, kein Geld zu verlieren und Gewinne zu machen. Beides ist aber – leider – unmöglich sicher zu sagen. Denkt an das, was ihr hier schon gelesen habt. Es gibt so viele Möglichkeiten, was schief gehen kann, dass es unmöglich ist, eine 100% richtige Aussage zu treffen, ob das Investment xyz gut ist oder nicht. Auch wenn ihr gute Aktien erwischt kann es die falsche Zeit sein. Ihr seid dann also zur richtigen Zeit am sprichwörtlich falschen Ort.

Und bedenkt noch eines. Die Börse ist ein Ort, wo Menschen Aktien und andere Wertpapiere kaufen und verkaufen. Wenn ihr Aktien von großen und bekannten Unternehmen hernehmt, werden die Anteilsscheine dieser Firmen täglich sehr häufig gehandelt. Das Handelsvolumen ist hoch, sagt man im Fachjargon und das gewährleistet, dass ihr beispielsweise Aktien einer Siemens oder einer Allianz im Grunde sofort kaufen oder verkaufen könnt, wenn ihr das wollt. Aber was bedeutet das denn sonst noch?

Wenn ihr Aktien kauft, seid ihr der Meinung, dass das Unternehmen und der Zeitpunkt günstig ist. Aber was glaubt der, der euch die Aktien verkauft? Genau das Gegenteil. Wer hat recht? Keine Ahnung. Das wird sich erst herausstellen. Und dazu nachgefragt: wann wird es sich herausstellen? Morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr? Vielleicht haben ja beide Seiten, der Verkäufer und der Käufer recht. Der Verkäufer, weil er kurzfristig denkt. Ihr als Käufer, weil ihr einen Anlagehorizont von mehrerer Jahren anstrebt. Verworren, oder?

Damit will ich sagen, dass ihr, wenn ihr andere im Rat fragt, immer mit verschiedenen Meinungen konfrontiert werdet. Und auch wenn die Mehrheit eine Aktie gut findet, heißt das nicht, dass sie gut ist. Und es heißt auch nicht, dass der Kurs steigen wird, auch wenn ihr grundsätzlich eine gute Wahl trefft. Noch verworrener, oder?

Was ist also die Lösung? Sich zunächst darüber im Klaren sein, welche Prozesse in eurem Kopf ablaufen, wenn ihr Aktien kauft. Und dann auf der Rechnung haben, dass sich mental alles ändert, wenn ihr die Aktien einmal besitzt. Weiterhin muss euch klar sein, dass niemand – auch ich nicht – euch die Bestätigung geben kann, dass dieser Aktienkauf gut oder schlecht war. Niemand kennt die Zukunft und 50% der Marktteilnehmer haben eine andere Vorstellung darüber, wie sich die Aktie, die ihr im Fokus habt, entwickeln wird. Sonst gäbe es keinen Börsenhandel, der davon lebt, das Käufer und Verkäufer zusammenfinden.

Die Lösung ist also, sich selbst eine Meinung zu bilden. Nicht andere Fragen, denn die wissen es auch nicht besser. Die Lösung ist aber auch, so viel über die Börse zu lernen wie möglich. Damit ihr gewappnet seid. Zum jetzigen Zeitpunkt seid ihr euch gar nicht bewusst, welche Fragen hier zu stellen und zu beantworten sind. Aber halt – das macht nichts. Jeder fängt klein an. Lasst euch nicht entmutigen – aber nehmt die Börse ernst. Ich sage immer wieder, und es stimmt. Wenn ihr Aktien kauft spielt ihr mit den großen Jungs. Nicht mit den Mitgliedern der AktienTipp Gruppe (ich will hier niemanden zu Nahe treten – aber es ist ja wahr) sondern mit den wirklich großen und mächtigen Menschen der Welt. Mit den Reichsten der Reichen. Mit Goldman Sachs, Morgan Stanley, mit Quants, mit Physikern, mit Mathematikern. Und die alle wollen nur eines: Geld machen. Und dazu haben sie unendliche Ressouren, unendlich Personal und unendlich viel Geld.

Ihr könnt als Privatanleger oder Trader mit diesen Leuten mithalten. Wenn ihr eure Hausaufgaben macht. Denn die Großen haben zu viel Geld, um so rasch und beweglich zu sein wie wir Privaten. Sie müssen anders handeln und das könnt ihr zu eurem Vorteil nutzen. Doch wie fangt ihr an? In dem ihr euch zu den beiden häufig gestellten Fragen noch ein paar mehr stellt und darauf gute Antworten finden. Eine kleine Auswahl eures Fragenkatalogs:

Welche Finanzprodukte kann ich als Privatanleger sinnvoll handeln?

Welcher Broker passt zu diesen Produkten?

Wie funktioniert mein bevorzugter Zielmarkt. Reagiert er auf Trends oder soll ich mich gegen den Trend stellen?

Wann verkaufe ich Aktien (oder andere Wertpapiere) wieder?

Wann und wie realisiere ich Verluste?

Wie sieht mein Risikomanagement aus (und was ist Risikomanagement)?

Wie groß sind meine Aktienpositionen?

Welche Länder bieten mir als Aktionär ein gutes Investitionsumfeld?

Welche Börsenplätze soll ich nutzen?

Welche Börsenbücher bringen mich weiter?

Welche Tools, welche Software Lösungen und welches Equipment brauche ich sonst noch?

Und vieles mehr.

Fazit

Börse ist komplex. Aber jeder hat heute die gleichen Informationen zur Verfügung, um an den Märkten erfolgreich zu werden. Doch ihr müsst ein Basiswissen haben, sonst klappt es nicht. Hört auf, andere zu Fragen, was ihr tun sollt. Lernt selbst, wie ihr gute Aktien findet und wie die Märkte funktionieren. Die Zeit, die ihr dafür aufwendet, wird das beste Investment sein, das ihr je tätigen werdet. Und je früher ihr mit dem Lernen beginnt, desto höher wird eure Verzinsung sein. Es ist egal, was eure Beweggründe sind, an der Börse zu handeln. Die Grundlagen sind die gleichen. Je mehr ihr wisst, desto erfolgreicher werdet ihr. 

Wenn Ihr Fragen habt, könnt ihr euch gerne auch per Email an mich wenden. Schreibt an office@thomasvittner.com und ich unterstütze euch gerne bei eurem Anliegen.

Ich wünsche euch viel Erfolg an den Börsen, euer Thomas Vittner

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