Arten von Anlagestrategien – Grundlagen und 7 Wege der Umsetzung

Anlagestrategien

Arten von Anlagestrategien gibt es viele. Doch bevor wir hier ins Detail gehen und die wichtigsten auflisten, müssen wir flankierend einige andere Dinge besprechen. 

Allen voran steht dabei die Frage, was eine Anlagestrategie überhaupt ist, aus welchen Bestandteilen sie besteht und welche Vorteile es dem Anleger oder Trader bietet, sich eine Anlagestrategie überhaupt zurechtzulegen. 

Darüber und über vieles mehr handelt dieser Beitrag.

Was ist eine Anlagestrategie?

Jedes komplexere Vorhaben – und das Thema Geldanlage ist durchaus komplex – verlangt nach einem detaillierten Plan. Sie können kein Haus ohne Bauplan bauen (lassen), kein Geschäft ohne (Business)plan führen und kein ernsthaftes Fußballspiel ohne (Match)plan gewinnen. 

Deshalb braucht jeder Anleger oder Trader einen ebensolchen Plan, wenn er an der Börse Geld verdienen will.

Dieser Plan hat verschiedenen Namen. Regelwerk, Strategie sind nur zwei davon, die uns spontan dazu einfallen. Egal wie man es betitelt, beinhaltet ein solcher Plan gezielte Schritte, die uns erfolgversprechend scheinen und die wir in einer bestimmten Reihenfolge abarbeiten. 

Welche das sind, erfahren wir im folgenden Kapitel.

Trading Plan

Die Bestandteile einer jeden Anlagestrategie

Egal ob Trading oder Investment, egal ob lang- oder kurzfristig. Über folgende Dinge muss ich mir gedanken machen, wenn ich an der Börse Geld verdienen will.

Wahl des Underlyings – was kaufe ich?

In welche Wertpapiere man investiert, ist ein entscheidender Faktor. 

Hier verbergen sich Fragen wie die nach der passenden Anlageklasse (beispielsweise Aktien, CFDs, ETFs etc.) genauso wie Länderfrage (an welchen Börsenplätzen und in welchen Ländern investiere ich) sowie die gezielte Auswahl des Unternehmens (kaufe ich Siemens oder Daimler), wenn man beispielsweise Aktien wählt.

Kaufzeitpunkt – wann kaufe ich?

Timing ist wichtig, auch wenn manche behaupten, dass die Wahl des richtigen Kaufzeitpunktes vernachlässigbar ist. Doch kann das stimmen? 

Stellen sie sich vor, sie kaufen am Tag vor dem Börsencrash? Nicht nur, dass das ihre Nerven strapaziert – ihre Rendite wird jahrelang darunter leiden. 

Vermutlich werden sich gute Aktien von einem Crash erholen. Doch die Erholungszeit kann lange dauern und letztlich Geld (Rendite) kosten. Daher sollten sie beim Timing ihre Hausaufgaben machen.

Menge – wie viel kaufe ich

Wie viele Aktien man kauft, hängt auch – aber nicht nur – mit dem vorhandenen Geld zusammen. 

Denn wie wir gelernt haben, soll man niemals „alle Eier in einen Korb“ legen, wie ein altes Börsen-Sprichwort behauptet. 

Da ist etwas Wahres dran, denn Risikostreuung ist sinnvoll, wenngleich eine zu große Streuung auch kontraproduktiv sein kann. 

Denn wer kann schon auf 197 Eier aufpassen, auch wenn sie in verschiedenen Körben liegen?

Wie viele Aktien

Verkaufszeitpunkt – wann verkaufe ich?

Immer seltener ist es wirklich sinnvoll, Aktien über Jahrzehnte lang zu halten. Sicher mag es Ausnahmen geben. Unternehmen, die ein derart stabiles und langlebiges Geschäftsmodell betreiben, dass uns mehrere Dekaden schöne Einkünfte als Aktionär bringt. 

Doch die meisten Dienstleistungen, Technologien oder Produkte haben heute eine gewisse Lebensdauer oder ein Ablaufdatum.

Irgendwann wurden auch Kutschen nicht mehr gebraucht und selbst der beste Kutschen-Hersteller machte Bankrott. Diese Metapher kann man auf alles anwenden und selbst Firmen, die als „unsinkbar“ gelten oder galten haben vielfach Probleme, sich an neue Gegebenheiten anzupassen.

Daher tut man gut daran, nicht nur den Kauf- sondern auch den Verkaufszeitpunkt gut zu wählen.

Und nun zu etwas ganz anderem.

Exit Signae

Traden oder Anlegen?

Nach dem wir nun die Grundbestandteile einer jeden Anlagestrategie kennen, gehen wir in die Tiefe. Denn die vier oben aufgezählten Punkte (Was, wann 2x und wie viel) gelten für alle Arten von Handels-Stilen. 

Egal ob wir kurzfristig traden oder langfristig investieren, über Kauf, Verkauf, Finanzinsturment und Positionsgröße müssen wir einfach nachdenken.

Nachdem wir das getan haben, schauen wir uns zunächst typische Trading Strategie an. Über das Investment sprechen wir dann später.

Trading Strategien

Betrachtet man den kleinsten gemeinsamen Nenner beim Traden, kann man so gut wie alle weiteren Unterscheidungen der Strategien an zwei Merkmalen festmachen. Wir können mit dem Trend handeln oder uns dagegen positionieren.

Prozyklische Modelle

Prozyklische Modelle oder Strategien schwimmen mit dem Strom. Diese Strategien kaufen die Gewinner. Wir positionieren uns damit in die Richtung des vorherrschenden Trends und wollen dessen Schwung (Momentum) nutzen.

Antizyklische Modelle

Diese Strategien kaufen die Verlierer. Sie stellen sich damit gegen die Trend-Richtung in der Annahme, dass hier eine Übertreibung stattfand, die den Kurs zu weit in eine Richtung laufen ließ. 

Man spekuliert also auf einen Rückkehr zur Normalität, in dem sich diese Übertreibung wieder abbaut. Deswegen nennt man solche Ansätze auch „mean reversal“ Strategien, was auf deutsch in etwas so viel wie „Rückkehr zum Mittelwert“ bedeutet.

Zeitfaktor

Nachdem man sein Trading Modell nun in eine der beiden obigen Gruppen (Pro-/Antizyklisch) eingeordnet hat, und das lassen sich fast alle Trading Ansätze, kommt die Zeit-Komponente ins Spiel.

Ist man Daytrader? Oder handelt man auf Tages- oder Wochenbasis. Dabei ist darauf zu achten, dass jeder Markt und jede Zeiteinheit entweder besser mit Prozyklischen oder mit Antizyklischen Ansätzen zu traden ist. 

Die entscheidende Frage für den Trader an dieser Stelle lautet also: worauf spricht mein Zielmarkt besser an?

Nun ist es unmöglich, diese Frage zu lösen, in dem man darüber nachdenkt. Es ist auch komplett irrelevant, was dem Trader sympathischer scheint. 

Entscheidend sind Fakten und deshalb kann man die Frage, welche Strategie für welchen Markt/Zeiteinheit passend ist, nur mittels einer umfassenden statistischen Zielmarkt-Analyse (Backtest ) beantworten.

Strategien für Anleger

Trading ist das eine, was ist mit dem Thema Anlegen? Darüber sprechen wir nun.

Anlagestrategie Growth (Wachstum) 3 – inklusive IPO‘s

Der Anleger oder Investor sucht hier nach Unternehmen, die noch stark wachsen können. Häufig sind das gerade in heutigen Zeiten Tech Werte. Diese Unternehmen nutzen hoch-skalierbare Geschäftsmodelle. 

Oft machen sie noch gar keine Gewinne – trotz stark steigender Umsätze. Und vielleicht sind sie grade überhaupt erst an die Börse gegangen. Doch bei aller Euphorie – wir sehen in diesem Segment zwei große Probleme für den Anleger.

Bewertung schwierig

Wie bewertet man Unternehmen, die vermutlich noch jahrelang keine Gewinne machen und oder noch nie welche gemacht haben? Nach dem Nutzer Wachstum, Nach Umsatz oder nach diversen anderen Kennzahlen? 

Weil die Bewertung oft subjektiv ist und von der allgemeinen Börsenstimmung noch viel stärker als sonst abhängig ist, schwanken die Kurse dieser Unternehmen oft sehr stark. Die Meinungen der Anleger können eben rasch in die eine oder andere Richtung kippen.

Risiko hoch

Diese Investments können sich vervielfachen. Der Anleger muss jedoch beachten, dass er auch ein hohes Risiko eingeht. Gerade junge Unternehmen, die oft diesem Segment angehören, können die hohen Erwartungen dann vielerorts doch nicht erfüllen. 

Im schlimmsten Fall geht dem Unternehmen das Geld aus, bevor es so richtig durchstarten kann. Der Anleger muss daher jederzeit mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals rechnen und sollte keineswegs alles auf eine Karte setzen.

Anlagestrategie Value (Wert)

Value Investoren suchen Werte, in die sie investieren. Das sind meist bereits alteingesessene Unternehmen mit stabiler Gewinnentwicklung und guten Bilanzkennzahlen (wenig Schulden, guter Cashflow etc.). Doch dieser Ansatz hat es in den letzten Jahren schwierig, denn der Fokus der Anlage-Gemeinde liegt derzeit voll und ganz auf den „heißesten“ Wachstums-Aktien.

Jedes neue IPO schießt in den Himmel und Unternehmen, die im Gegensatz dazu diese Sturm- und Drangzeit bereits hinter sich haben, werden oft links liegen gelassen. Jährliche Umsatz-Steigerungen von 5-10%? 

Wenige geben sich in diesen Zeiten damit zufrieden und deswegen sind diese Unternehmen augenblicklich oft deutlich niedriger bewertet als Wachstumswerte. Stabilität scheint derzeit einfach zweitrangig und Wachstum dominiert. 

Ob und wann sich die Zeiten wieder ändern, bleibt abzuwarten.

Doch noch eine Komponente ist bei den Value Unternehmen zu erwähnen. Die Gewinnausschüttungen, auch Dividenden genannt. Darüber sprechen wir im Anschluss.

Dividenen-Strategien

Dividenden Strategie

Unternehmen mit hohen Ausschüttungen findet man heute einfach. Um solche Aktien zu wählen, nutzt man einfache Aktien Screener wie beispielsweise den von finviz. 

Dividenden Aktien sind so gut wie immer alteingesessene Unternehmen, die sich bereits etabliert haben. 

Man könnte diese Art der Anlage also auch der Kategorie „Value Investing“ zuordnen aber aus Anschauungsgründen haben wir uns für eine eigene Kategorie entschieden.

Dividendenaktien gelten als krisenresistenter als beispielsweise Wachstumswerte. Natürlich wirkt die ausbezahlte Dividende stabilisierend auf den Kurs – wenn sie denn in einer Krise weiter gesichert ist. Und das ist die große Unbekannte. 

Denn wenn bei einem Unternehmen die Gewinne rückläufig sind oder noch schlimmer, es in finanzielle Schieflage gerät, wird eine der ersten Maßnahmen der Geschäftsführung eine Dividendenreduktion sein. 

Im schlimmsten Fall wird die Ausschüttung ausgesetzt. Der Anleger solle daher bei der Auswahl auf Unternehmen achten, die auch in vergangenen Krisen ihre Dividende auf konstantem Niveau gehalten haben, wenngleich auch das keine Garantie für weitere Auszahlungen sein kann.

Kommen wir abschließend zu einer letzten klassischen Anlageform, dem passiven investieren in den Index.

Index Investments

Bei dieser Anlageform kauft man einfach einen ganze Index wie den Dax, auch wenn das nicht ganz korrekt formuliert ist. Dazu später. Der Anleger will also 1:1 von der Entwicklung eines Börsenbarometers (Index wie Dax, S&P 500, Nikkei etc.) profitieren. 

Damit kann er zwar nicht besser als der Gesamtmarkt abschneiden aber auch nicht schlechter. Und da ohnehin nur ganz wenige Anleger besser als der Markt abschneiden, lohnt es sich, über diese Anlagemöglichkeit zu sprechen.

Nachdem man einen Index wie den Dax nicht direkt kaufen kann, nutzt man heute Produkte, die diesen fast 1:1 abbilden. Alternativ könnte man natürlich die 30 Aktien des Dax in der richtigen Gewichtung kaufen und permanent anpassen, aber das ist erstens unpraktisch und zweitens – in Sachen Transaktionskosten – viel zu teuer.

Aktien Kurs

Daher nutzt man für das passive Index Investment heute sogenannte ETFs. Ein ETF – Exchange Traded Fund – ist ein börsengehandelter Indexfonds. Diese Produkte sind einfach zu verstehen, leicht zu handeln und oftmals nur mit minimalen Gebühren belastet. 

Alternative Produkte in diesem Segment wie beispielsweise Index-Zertifikate verlieren aufgrund der ETFs immer mehr an Bedeutung. Der Siegeszug der börsengehandelten Index Fonds (ETF) scheint nicht mehr zu stoppen.

Abschließend noch ein kleiner Exkurs zu Unternehmen, die diesen ETF Hype nutzen, den sogenannten Robo Advisor Vermögensverwaltungen.

Robo Advisor

Robo Adivisor beutet auf Deutsch in etwa Anlageroboter. Dabei nutzen Vermögensverwaltungen Algorithmen, die die Anlagewünsche der Kunden und deren Gewinnerwartung respektive Verlust-Toleranz mittels einer ETF Zusammenstellung abbilden. 

Die Angebote sind vielfältig, doch die Kern – Dienstleistung der meisten „Robos“ sind doch ziemlich ähnlich. Daher wird der Wettbewerb oft über den Preis geführt.

Doch der Anleger sollte gut überlegen, ob er sein Geld einem Robo Advisor anvertraut. Natürlich sind die verwendeten Algorithmen der Anbieter komplex, doch mit etwas Engagement wird man auch selber nicht unwesentlich schlechter abschneiden als ein passiver Anlageroboter. 

Es scheint daher durchaus überlegenswert, hier Geld für die Verwaltungsgebühren zu sparen und stattdessen Wissen zu vertiefen, um seine Geldanlage in die eigenen Hände zu nehmen.

Regelbasierte Anlagestrategien haben viele Vorteile. Aber man sollte auch auf die Gefahren hinweisen. Wenn Sie wissen wollen, was diese Art von Strategien gefährlich macht, folgen sie bitte dem vorherigen Link. Sie gelangen auf einen umfassenden Blog Beitrag, der mehr über das Thema „quantitative Analayse“ von Börsen-Strategien verrät.

Robo Advisor

Fazit Anlagestrategie

Man liest und hört immer wieder, dass eine Anlagestrategie zum Anleger oder Trader passen muss. Sicher steckt hier etwas Wahres in dieser Aussage, auch wenn sie uns viel zu kurz gegriffen scheint. Vielmehr muss die Anlagestrategie funktionieren. 

Und wenn sie das tut, wird sie auch vom Anleger akzeptiert, womit sie dann vermutlich auch zu ihm passt. Ob man dabei letztlich Daytrader wird oder passiver Indexinvestor, spielt keine Rolle.

Kostenlose Lern-Angebote für Trader und Anleger

Wenn sie Interesse daran haben, mehr über die verschiedensten Anlage- und Trading Strategien zu erfahren, bieten wir ihnen zahlreiche kostenlose Basis-Angebote mit denen sie sich weiterbilden können. Klicken sie auf die Buttons unten, um mehr über diese Angebote zu erfahren.

Viel Erfolg, ihr Thomas Vittner

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